Von Stall zu Stall durch die Welt

Ein Auslandsbericht von Weda Schmidt

Auf dem täglichen Weg zur Arbeit: Durch die Tore des Ashford Castle

Vor etwa einem Jahr begann für mich der Abiturstress. Mir war alles zu viel und ich wollte nur eins, raus in die Welt! Also stand fest: „Abi – und dann nichts wie weg!“

 

Da stand ich jedoch schon, wie fast jeder Weltreisende, vor dem ersten Problem, dem Geld. Außerdem, auf Pferde und Reiten verzichten? Undenkbar! Also lag es nahe, mit Pferden zu arbeiten und dadurch meinen Aufenthalt im Ausland zu finanzieren. Im Herbst zuvor hatte ich auch die Prüfung zum Trainer C/Reiten bestanden und somit eine Qualifikation in der Hand.

 

Wie und wo aber sollte ich anfangen zu suchen? Als unbezahlte freiwillige Arbeitskraft wollte und konnte ich nicht arbeiten. Bereiter mit nachweisbarer Erfahrung  war ich auch nicht. Darüber hinaus wollte ich in ein englischsprachiges Land, so blieben aufgrund der Flugkosten England und Irland übrig. Soweit eingegrenzt, waren mehr oder weniger alle Angebote, die ich auf Anhieb im Internet gefunden hatte ausgeschlossen. Daneben gab es dann noch die Sprachhürde. Denn auch gute Schulkenntnisse in Englisch halfen mir nur begrenzt weiter, meine reiterlichen Kenntnisse und bisherigen Erfahrungen in einem Bewerbungsschreiben, und sei es nur eine kurze E-Mail, zusammenzufassen.

 

Nachdem ich einige weitere Seiten, auf denen Jobs im Ausland angeboten wurden, durchstöbert hatte, stieß ich auf eine vielversprechende Anzeige: Ein Ponygestüt und Vielseitigkeitsstall, Familienbetrieb, in Irland suchte über die Sommermonate Unterstützung. Es klang perfekt! Ich sagte für drei Monate zu, mit Option zu verlängern, und suchte nicht weiter.

Mein lieblings Connemara Pony Sand Piper auf einem Ausritt

Meine fehlende Erfahrung Jobs dieser Art betreffend, der Wunsch möglichst schnell weg zu kommen und der daraus resultierende Optimismus wurden mir gleich zum Verhängnis. Trotz intensiven E-Mail-Verkehrs und vieler Nachfragen, hatte ich eine vollständig falsche Einschätzung meiner Arbeitgeber, der Anlage und des Umgangs mit den Pferden. Als ich am späten Abend eines schönen Junitages voller Vorfreude in den irischen Midlands ankam, fragte ich mich nur, wo ich bloß gelandet sei.  Wieder nach Hause zu fahren kam überhaupt nicht in Frage, zu bleiben genauso wenig. Folglich fing ich am nächsten Tag an, nach einer neuen Stelle zu suchen, opferte einige Stunden Schlaf und steckte viel Mühe in mein Profil bei einer englischen online Reit- und Farmjobbörse. Mit Erfolg! Zwei Wochen später saß ich im Bus auf dem Weg zum „Ashford Equestrian  Centre“ in Westirland.

Irgendwo im Nirgendwo: Connemara

Inzwischen habe ich einige entscheidende Erfahrungswerte auf der Suche nach Arbeit als Reiter und Pfleger gesammelt.  Dazu gehört erstens, nicht nur nach Anzeigen zu suchen, sondern auch interessante Ställe einfach anzuschreiben. Dann, mit potenziellen Chefs telefonieren! Im direkten Gespräch bekommt man doch einen ganz anderen Eindruck als aus E-Mails. Dabei sollte man auf die Frage, was man sich denn vorstelle, eine klare und deutliche Antwort parat haben, aber auch auf Vorschläge und Angebote eingehen. Außerdem das gesamte Internet auf eventuelle Erfahrungsberichte anderer, Artikel, Bilder und Informationen im Allgemeinen durchforsten. Weiterhin darf man sich nicht scheuen, nach jedem einzelnen Detail, das einen interessiert zu fragen. Je mehr man vorher weiß, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer bösen Überraschung. Insbesondere werde ich mich immer nach der Unterkunft erkundigen! Und schließlich kann man nur auf das Bauchgefühl vertrauen. Das Wichtigste ist für mich, dass ich mich wohlfühle und die Stimmung im Stall stimmt. Dann lassen sich auch schlechtes Wetter und Überstunden gut ertragen. Und Tage im Stall können sehr lang werden!


Im Westen Irlands, in dem historischen Dorf Cong nördlich von Galway, hatte ich jedenfalls einen Volltreffer gelandet! Nette Leute, Familienanschluss, atemberaubende Landschaft, besser als aus einem Werbekatalog. Dazu verhältnismäßig kurze Arbeitszeiten, lange Sommertage und viel Gelegenheit die Umgebung zu erkunden und Freundschaften mit netten Menschen aus aller Welt zu schließen. Die zum Ende hin fast täglichen Pub Besuche nicht zu vergessen.

 

In Cong erlebte ich knapp drei unglaublich schöne, faszinierende und aufregende Monate. Genau das, was ich nach den mir endlos vorkommenden Schuljahren brauchte.  Doch dann zog es mich weiter. Ich habe die Zeit in der Reitschule und „Holiday and Hacking Centre“, wo ich junge Pferde ausgebildet und Ausritte für Touristen geführt habe, sehr genossen, aber ich hatte auch den Drang reiterlich weiterzukommen.

 

Der Zufall wollte es, dass eine der Touristen, die zu uns in den Stall kamen, eine Bekannte des  englischen Dressurreiters Carl Hester war. Sie erzählte meiner Kollegin, dass auch er immer Praktikanten und Working Students suche. Und so kamen wir beim Abendessen ins Gespräch darüber, dass auch die ganz großen Profis „kleine Leute“ wie uns brauchen. Dadurch ermutigt, bewarb ich mich noch am selben Abend bei William Fox-Pitt.

So schön kann Winter in England sein

Ehrlich gesagt erwartete ich nicht viel und ich hatte das Ganze fast wieder vergessen, als einige Tage später, beim Öffnen meines Postfaches, eine E-Mail von „Fox-Pitt Eventing“ aufblinkte. Ich traute meinen Augen kaum, mein Herzschlag erhöhte sich deutlich. Und ich war froh über mein inzwischen doch recht gefestigtes englisches Reit-Vokabular, als ich zum Telefon ging, um der Bitte, die in der E-Mail angegebene Nummer anzurufen, nachzukommen. Alice, Williams Frau, war am Apparat. Wir vereinbarten eine Woche Praktikum, die zugleich als Bewerbungstest dienen sollte. Als ich aufgelegt hatte, schwebte ich auf Wolke sieben, aber wirklich begriffen, wo ich hingehen würde, hatte ich noch lange nicht. Die verbleibenden Wochen bis Anfang Oktober schienen endlos.

Ende September packte ich meine Sachen und machte mich auf, Richtung England. In Dublin legte ich einen kurzen touristischen Zwischenstopp ein. Nachdem ich mit der Fähre übergesetzt hatte, nahm mich eine sehr nette Familie aus Derby, die ich in Irland kennengelernt hatte, für eine Woche auf. Dort bekam ich auch einen Einblick in die ländliche Reiterei, konnte zu meiner Freude mit meinen Pferde- und Reitkenntnissen weiterhelfen und mich auf diese Weise für die Gastfreundschaft bedanken. Und schließlich kam ich bei den „Wood Lane Stables“ im malerischen Landkreis Dorset an.

 

William persönlich holte mich von der Bushaltestelle ab. Allein aufgrund seiner Größe auch im Dunkeln sofort zu erkennen. Es brauchte die 40 Minuten dauernde und viel länger scheinende Fahrt, bis ich begriff, dass dies kein Traum war und ich tatsächlich auf dem Beifahrersitz neben dem berühmten Vielseitigkeitsreiter saß  und mich mit ihm über meine Pferde zu Hause und die Zeit in Irland unterhielt. Die anfängliche Nervosität legte sich im täglichen Umgang jedoch schnell, außerdem blieb für aufblickende Bewunderung keine Zeit. 

Parker (Park Lane Hawk) und Roo (Before Time) genießen ihren Winterurlaub

Die ersten Wochen, ja, ich durfte bleiben, forderten all meine Konzentration und Kondition. Es war Ende der Turniersaison und die Vorbereitungen für das große Event in Pau (Frankreich) liefen auf Hochtouren. Zeit für ausführliche Erklärungen gab es nicht und da ich mich auf einen Job bewarb, wurden andere Anforderungen gestellt, als an einfache Praktikanten. An meinem zweiten Arbeitstag fuhr ich unter Headgirl Jackies adleräugiger Aufsicht zu einem One-Day-Event. William hatte fünf Pferde dabei, das hieß 15 Starts non-stop.


Als ich mit dem Pfleger-Rucksack am Dressurplatz stand, fragte mich ein Ordner, ob ich mit Mark da sei, er müsse ins Viereck (gemeint war Mark Todd). Ich antwortete wie selbstverständlich: „Nein, mit William.“, und vergaß für einen Moment, dass ich „der kleinste Fisch in dem großen Stall“, wie Alice es nannte, war. Von fünf Uhr morgens bis Mitternacht auf den Beinen zu sein, ging aber nicht spurlos an mir vorüber, am nächsten Morgen verschlief ich alle gestellten Wecker: Peinlich!

Der schönste Teil der Arbeit: Reiten :)

Trotz aller Anstrengungen war es eine großartige Erfahrung! Besonders in Erinnerung bleiben, wird mir die unbeschreibliche Spannung, als Teil des Teams, im Stall, am Bürocomputer, bei Seacookies 4*-Sieg in Pau mitzufiebern. Über meine Erwartungen hinaus durfte ich sogar täglich aufs Pferd und der größte Lohn war natürlich, wenn William Zeit hatte, uns beim Reiten zu helfen. Nun kann ich von mir behaupten 4*-Gewinner, Weltmeisterschafts- und Olympiapferde geritten zu sein.  Etwas wovon ich nur wenige Monate zuvor nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Außerdem habe ich von Jackie unglaublich viel über Organisation, Pflege und Gesunderhaltung der Pferde auf diesem Niveau gelernt.

 

Auf die stressige Saison folgten ruhige Wochen der Winterpause, sodass ich die großen vierbeinigen Stars auch in ihrem Urlaub erleben konnte. Und dank der Eltern eines Arbeitskollegen, mit dem ich die Pferde über die Feiertage versorgte, kam ich zu einem richtigen englischen Weihnachtsfest am Christmas Day. 

Aussicht aus unserer Wohnung über dem Stutenstall

Nach Weihnachten hieß es Abschied nehmen von England und „Team Foxy“. Ich hätte die ganze nächste Saison über bleiben können, doch ich wollte in meinem freien Jahr noch mehr von der Welt sehen und war nicht bereit mein Leben fürs Reiten aufzugeben, denn das bedeutet es, während der Turniersaison als Pfleger zu arbeiten. Geplant hatte ich die Weiterreise bereits. Und so saß ich, nach einem kurzen Besuch zu Hause, Ende Januar im Flugzeug nach Andalucía. Gerade rechtzeitig, um dem Wintereinbruch in Deutschland zu entfliehen.

Erena und Kopelia in ihrem Paddock, im Hintergrund Hengststall und Reithalle

Bei der skandinavischen Clique auf „Cortijo El Robledal“, einem Gestüt und Dressurstall in Südspanien, warten neue Erfahrungen auf mich, neue Pferde, neue Menschen. Das Meer in Sichtweite, in einer wunderschönen Umgebung und bei angenehmen Wintertemperaturen von 17°C, hat es auch beim Arbeiten etwas von Urlaub. Ich bin gespannt, was die nächsten zwei Monate hier mit sich bringen werden und wer weiß, wo mich die Arbeit mit den Pferden noch überall hinführen wird. Auch wenn dies hier in Spanien wahrscheinlich mein letzter Auslandsaufenthalt vor dem Studium ist, weiß ich, dass, wann immer es mich in die Ferne zieht, ich überall auf der Welt in einem Stall unterkommen kann.

 

Blick vom nächsten Dorf Casares über "El Robledal" bis zum Mittelmeer

„Nur ein Jahr ist das her?!“, habe ich gestaunt, als ich begann diesen Bericht zu schreiben. Das Abitur liegt inzwischen so weit hinter mir, gefühlt sind es Jahre. Seit ich an dem sonnigen Juniabend ins Flugzeug gestiegen bin, bin ich Menschen begegnet, die mich geprägt und beeindruckt haben, habe unbeschreiblich viel gelernt und Erfahrungen gesammelt, die mir niemand mehr nehmen kann. Und nicht zu vergessen: Ich hatte eine Menge Spaß! 

Aktuelles

Wir brauchen Eure Hilfe!

Auf dem Landesponyturnier brauchen wir Euch als Protokollschreiberin, Tafeldienst oder helfende Hand bei der Helfer- und Ehrengastversorgung!

Schreibt bitte eine E-Mail an richterborstel@web.de, ob Ihr am Samstag, 9.9., oder Sonntag, 10.9., und zu welcher Zeit Ihr könnt!

DANKE für Eure Unterstützung!

Vom 08. bis 10. September veranstalten wir zum 25. Mal auf dem Landesturnierplatz das 51. Landesponyturnier.

Mareike Harm erzählt von ihrem Erfolg in Aachen!

Hier gibt Euch Mareike einen kleinen Einblick in den Sart mit Ihrem Vierspänner beim CHIO.

Hausturnier des Reit- und Fahrverein Schlamersdorf am 27. August

Die Ausschreibungen sind unter Turniere zu finden.

Tunier des Reit- und Fahrverein Neuengörs am 26. - 28. Mai:

her die Ergebnisse.

Herzlichen Glückwunsch an alle erfolgreichen Starter auf unserem Reiter- und Fahrertag, natürlich allen voran an die neuen Meister! Die Ergebnisse findet Ihr hier.
Und vielen, vielen Dank an unsere tollen Helfer - ob Kuchenbäcker, Protokoll-schreiber oder an jeder anderen Stelle - ohne Euch wäre das alles nicht möglich!

Ein paar Bilder findet Ihr hier.

Ihr habt Ideen oder Wünsche für Lehrgänge oder andere Vereinsaktivitäten? Immer her damit - an info@rufv-segeberg.de

Eine Terminvorschau für 2017 findet ihr unter Termine.

Der RuFV kommt in die Hufe und hat nun eine facebook-Seite. Diese soll Euch, zusätzlich zu unserer Homepage, mit Infos und Impressionen von Turnieren und Lehrgängen versorgen. Uns gefällt das, dir auch?

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